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Der Benimm-Code

Gute Umgangsformen verbinden die Menschen

Nachgefragt bei den Autorinnen Elisabeth Motsch und Doris Schulz

Elisabeth Motsch und Mag.a Doris Schulz haben für alle Menschen, die sich beruflich und privat profilieren wollen, ein Buch geschrieben. Darin erklären die beiden Benimm-Code-Expertinnen, die bereits seit Längerem ein erfolgreiches Team bei Seminaren und Buchprojekten sind, wie man mit guten Umgangsformen überzeugt und welchen Wert Dresscodes haben.

Das Kernthema des Buches hat ja auch mit Ihren Geschäftsfeldern zu tun. Können Sie uns bitte darüber erzählen?

Schulz: Ich bin von Beruf Medienfrau, habe viele Jahre bei Fernseh- und Radiosendern gearbeitet – PRO7, Sat1, RTL, ORF. Parallel arbeitete ich als Journalistin für Printmedien, verfasste über die Jahre etwa zehn Bücher. Als ich Elisabeth Motsch kennenlernte, verstanden wir einander sofort, vereinbarten ein gemeinsames Buch –  mittlerweile sind wir schon beim dritten. Ich habe auch eine politische Karriere hinter mir, hatte viel mit öffentlichen Auftritten zu tun – diese Erfahrungen habe ich ebenso in den Benimm-Code eingebracht. Wir kommen aus unterschiedlichen Bereichen, ergänzen einander aber hervorragend.

Motsch: Meine Schwerpunkte waren und sind Stil-, Imageberatung und Trainings. 1998 betreute ich eine Bank, fokussierte danach meine Klientel immer mehr in Richtung Firmenkunden. Ich coachte dann Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen. 2004 kamen die Umgangsformen als thematischer Schwerpunkt zu meinem Portfolio hinzu. Darüber schrieben wir auch unser erstes Buch. Ich möchte Menschen zeigen, dass sie mit ihrem Auftreten und ihrer Kleidung Botschafter sind, dass darüber Werte vermittelt werden – dass es um Respekt und Achtsamkeit geht. Für ein Miteinander braucht es kein Regelwerk, sondern einen Rahmen, damit die Menschen ein Gefühl für den Augenblick entwickeln. Regeln alleine wären zu wenig, da diese auch stets in deren Anwendung auf das Umfeld abgestimmt sein müssen.

Elisabeth Motsch, Expertin für die Erfolgsfaktoren Kleidung und Umgangsformen ...

Mag.a Doris Schulz, Medienfrau, Podcasterin und Politcoach ...

Sie bringen Erfahrungen aus der ganzen Welt mit. Gibt es universelle Codes?

Motsch: Ich habe in London, Paris, Mailand gelebt, eine Zeit auch in Monte Carlo. Höflichkeit gilt überall. Natürlich gibt es landesspezifische Unterschiede. Ich bin schon in viele Fettnäpfchen getreten.

Sie haben auf Ihrer Website einen Beitrag, in dem Sie schreiben, dass Höflichkeit weiblich ist, Männer unhöfliches Verhalten oft gar nicht mitbekommen. Ist das wirklich so?

Motsch: Ich glaube, dass es manchen Männern manchmal an einer gewissen Feinfühligkeit fehlt. 

Schulz: Frauen denken darüber nach, wie sie Beziehungen gestalten, sind empathisch. Männer hingegen agieren oft viel direkter.

Welche Benimm-Bereiche haben Sie für das Buch ausgewählt?

Motsch: Wir haben versucht, möglichst viele Bereiche unterzubringen – private wie auch berufliche. Es geht stets um das Zusammenleben und wie sich Signale in dem Rahmen auswirken, in dem ich mich bewege. Das betrifft auch die Körpersprache. Alles, was wir sehen und hören, hat Auswirkungen auf die Beziehung zueinander. Wir haben auch versucht, für bestimmte Alltagssituationen Antworten zu geben, in denen wir Unsicherheiten und Irrtümer wahrgenommen haben: Begrüßung, Vorstellung, Geschäfte am Sportplatz ...

Wir sind durch unsere Vorträge, Seminare und Coachings sehr viel unterwegs, sprechen mit vielen Menschen, haben daraus auch viele Fragen mitgenommen, die wir ins Buch einfließen ließen. Einerseits was die elektronische Arbeitswelt betrifft, andererseits aber auch bezugnehmend auf unterschiedliche soziale oder berufliche Umfelder. Wer einen Code versteht, kann ihn auch einsetzen.

Menschen verlassen Unternehmen in der Regel nicht wegen des Arbeitsinhaltes, sondern wegen unhöflichem und nicht wertschätzendem Umgang. Dem haben wir im Buch viel Platz gewidmet.
Elisabeth Motsch

Haben Sie die oft verunsichernde Aufzugssituation auch im Buch behandelt?

Schulz: Natürlich! Und wir gehen bei diesem Beispiel – und bei vielen anderen – auf Aktuelles ein, wie z. B. die Pandemie. Das Verhalten in Grippe- und Pandemiezeiten ist an mehreren Stellen im Buch beschrieben. Im Aufzug geht es besonders um Distanzzonen. Wir stehen viel zu nahe, versuchen durch Blick nach oben oder zu den Schuhspitzen unseren Raum zu erweitern. Mit einem einfachen Gespräch über ein allgemeines Thema kann man die unangenehme Situation verbessern. Das Einhalten von Distanzzonen ist auch eine Frage der Achtsamkeit. Wer grüßt wen zuerst bzw. wer stellt wen wem zuerst vor?

Motsch: Das ist ein Problem, das viele kennen! Im privaten Kontext ist die Frau die Ranghöhere bzw. der sichtbar Jüngere der Rangniedrigere. Dazu kommt im Geschäftsbereich die berufliche Hierarchie. Im Buch haben wir detaillierte Reihenfolgen beschrieben. Man muss auch wissen, wer wem zuerst die Hand reicht ... ein heikles Thema. Man schlägt auch eine zum Gruß ausgestreckte männliche Hand nicht aus, mit den Worten, zuerst eine Dame begrüßen zu müssen! Das ist Unhöflichkeit pur – passiert leider sehr oft.


Haben Sie sich die Themen aufgeteilt?

Schulz: Wir haben alles gemeinsam verfasst, zu den Themen Inputs aus unseren Welten eingebracht, recherchiert, diskutiert und dann das Ergebnis formuliert und  niedergeschrieben. Die Recherche betraf vor allem die neuen Lebensbereiche der digitalen Welten des 21. Jahrhunderts. Das Buch setzt neue Standards, deswegen war uns die Sorgfalt sehr wichtig.

Wer die Codes kennt, kann sich situationsgerecht verhalten und hat stets die Fäden in der Hand.
Doris Schulz

Sie haben auch den Bereich E-Mail-Kommunikation im Buch. Behandeln Sie auch das Weiterleiten von E-Mails an Dritte – oder das Posten von vertraulicher Kommunikation?

Motsch: Das ist natürlich enthalten, denn in diesem Bereich passiert Katastrophales. Es braucht einen wesentlich kritischeren Umgang, auch mit den Sozialen Medien, als er  tatsächlich gepflegt wird – privat wie auch beruflich. Beeindruckt hat mich auch Ihre Trinkgeldaufstellung. Wie viel gebe ich wem. Oft weiß man es nämlich wirklich nicht.

Schulz: Wir wollten nicht nur allgemeine Themen im Buch behandeln. Zum Beispiel gibt es auch den Bereich, in dem wir auf das Gastgeben, das Zu-Gast-Sein sowie  Tischmanieren eingehen – bis hin zu einigen Seiten, wie man welche Speise richtig isst. Mein Lieblingsspruch: Wer gut vorbereitet ist, kann auch gut improvisieren. Dabei soll einem das Buch zur Seite stehen.

Motsch: Wir haben in einem großen Kapitel die Situation von Vorstellungsgesprächen behandelt. Da hat sich viel geändert. Man braucht für vieles einen Leitfaden – auch für richtiges Verhalten bei Videokonferenzen und Online-Meetings. Daher wurde das Buch 300 Seiten dick. Wir haben viele kleine Happen darin zusammengestellt. Und das Besondere: zu vielen Punkten gibt es mittels QR-Code ansteuerbare Videos ...

Ossi Hajek/Sortimenterbrief im Gespräch mit den beiden Autorinnen